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Allgemeine Info Aussehen/Anatomie/Sinnesorgane/Alter/Drüsen/Eigengeruch
Klasse: Säugetier (Mammalia) Ordnung: Nagetier (Rodentia) Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea) Familie: Wühler (Cricetidae) Gattung: Rennmäuse (Gerbilinae) Art: Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus) - Krieger mit Krallen Fälschlicherweise werden wir oft als Gerbil bezeichnet. Richtigerweise werden nur Rennmäuse der Gattung Gerbillus (eigentliche Rennmaus) als Gerbil bezeichnet, Meriones (Sandmaus) Arten dagegen, wozu auch wir gehören, als Jird. Ebenfalls ist die Beizeichnung 'Wüstenrennmaus' falsch, denn wir leben in der Steppe und nicht in der Wüste.
Herkunft/Revier Ursprünglich stammen wir aus den sandigen Steppen/Halbwüsten Zentralasiens. Dort leben wir in größeren Familienverbänden, mit einem sehr komplexen Sozialgefüge, bis zu 1.50 Meter unter der Erde. Wir leben in unterirdischen Bauten und Höhlen, die schon mal eine Ausdehnung bis zu 6 qm erreichen. Das von uns beanspruchte Revier wird getreu unseres Namens 'Meriones unguiculatus - Krieger mit Krallen' auch unerbittlich gegen Eindringlinge, durch die männlichen Mitglieder der Sippe, verteidigt. Dieses Verhalten führt in der Heimtierhaltung bei größeren Gruppen (ab 3 Tiere) auch immer wieder zu Problemen, vor allem dann, wenn es sich lohnt um das Territorium zu kämpfen - siehe später auch Gruppengröße.
Begonnen haben wir unserer Heimtier-Karriere wie so viele Nager als Versuchstiere in Laboren. Vermutlich stammen alle als Heimtiere gehaltenen Rennmäuse von 20 Paaren ab, die 1935 in der Mongolei gefangen wurden. Zwischenzeitlich wurden zur Zucht aber immer wieder Wildfänge eingesetzt.
Aktivitätsphasen Wir sind nicht strikt nachtaktiv wie viele andere Nager, sondern haben einen schnell wechselnden Wach- und Schlafrhythmus von 2 – 5 Stunden. Auf keinen Fall sind wir als Kinder- bzw. Streicheltier geeignet. Wir haben einen zerbrechlichen Körper und einen empfindlichen Schwanz. Es gibt auch keine Garantie, dass wir vollkommen zahm werden und es ist fraglich, ob Kinder mit dieser Situation klar kommen. Kindern ist es auch nicht möglich, eine korrekte Vergesellschaftung vorzunehmen und gerade das ist ist ein ein sehr heikles Thema. Mongolische Rennmäuse für Kinder nur, wenn die Eltern die Verantwortung übernehmen!
Unsere Nestgemeinschaften (nicht zu verwechseln mit den großen Familienverbänden!) in freier Natur bestehen in der Regel aus einem fortpflanzungsfähigen Paar (Alphatiere), das monogam lebt und 1 bis 2 Würfen, die bei Zeiten aber aus dem Nest vertrieben werden um sich ein eigenes Revier zu suchen. Leider haben wir durch Domestikation einige unserer natürlichen Instinkte verloren und Du darfst Dich nicht darauf verlassen, dass die natürliche Familienplanung noch funktioniert. In der Natur können wir bei Stress in der Gruppe unsere Familie einfach verlassen, was aber in Gefangenschaft nicht möglich ist. Aus diesem Grund hat sich auch die Haltung (vor allem bei Anfängern) von 2 gleichgeschlechtlichen Tieren bewährt. Niemals dürfen wir Rennmäuse Einzeln gehalten werden aber es darf auch keine Überbevölkerung im Gehege herrschen. Die Tatsache, dass wir in Familienverbänden leben führt leider immer wieder zu dem Irrglauben, dass wir in großen Rudeln auf Dauer gut klar kommen. Das gelingt leider in den wenigsten Fällen und oft müssen lange stabil gebliebene Gruppen doch getrennt werden. In Weibchengruppen kann es noch schneller und häufiger zu Problemen kommen. In
letzter Zeit finden auch immer mehr Wildmongolen Nachzuchten Einzug in die
Wohnstuben und dort soll es laut Aussagen der Halter nicht zu diesen
Aggressionen in größeren Gruppen kommen und die Familienplanung 'funktioniert'
auch noch problemlos. Da aber nicht jeder diese Nachzuchten
hat und es bei den domestizierten Artgenossen, bei mehr als 2 Rennmäusen,
schneller zu Revierkämpfen kommt und man uns deshalb leider in größeren
Gruppen nicht so viel Platz geben kann, solltest Du es zu unserem Wohle
einfach sein lassen und uns nur zu zweit halten. Solltest Du Dich dennoch für die Haltung von mehr als 2 Tieren entscheiden, dann solltest Du schon sehr viel Erfahrung mit uns haben und den nötigen Platz um uns eventuell zu trennen.
Aussehen/Anatomie/Sinnesorgane/Alter/Drüsen/Eigengeruch Aussehen/Größe
Im Vergleich zu unseren wild lebenden Verwandten haben wir auch unser Aussehen und unser Verhalten teilweise verändert. Wir werden in der Heimtierhaltung etwas größer, nämlich zwischen 10 – 14 cm (+ Schwanzlänge von ca.12 cm) und auch etwas schwerer – ca. 70 – 110 gr.
Wir sind Fluchttiere und perfekt auf unsere natürliche Umgebung angepasste Sinnesorgane ermöglichen uns ein Leben zwischen all den Gefahren. Durch unsere seitlich angebrachten Augen, mit denen schnelle Bewegungen in der Ferne besonders gut wahrgenommen werden, haben wir einen Blickwinkel von ca. 360 Grad und somit den perfekten Rundblick. Wir sehen sogar Farben, jedoch sind wir Rennmäuse rotblind. Unsere Augen arbeiten auch in der Dunkelheit perfekt, denn genau wie Katzenaugen sind auch unsere Augen kleine Restlichtverstärker. Unser Geruchssinn ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt. Er dient uns nicht nur zum auffinden von Nahrung. Er spielt auch in unserem Sozialverhalten eine große Rolle, denn Familienmitglieder werden am Geruch erkannt. Auch auf unser Gehör können wir uns sehr gut verlassen, denn unsere Kommunikation findet im Ultraschallbereich statt und weit entferntes Warntrommeln muss jederzeit gehört werden. Unser ausgeprägter Tastsinn mit Hilfe unserer Tasthaare (Vibrissen) ermöglicht es uns, dass wir uns in den unterirdischen Bauten und in der Dunkelheit sehr gut zu recht finden. Wir haben auch ein hoch differenziertes Gleichgewichtsorgan das es uns ermöglicht sehr gut zu balancieren. Im Durchschnitt erreichen wir heute bei guter Pflege leider nur noch ein Alter von ca. 3-4 Jahren - das hat sich mit den Jahren deutlich nach unten verschoben. Zu Anfang haben wir nicht selten ein Alter von 5-6 Jahren erreicht. Zu verdanken haben wir das nicht zuletzt der Farbzucht. Zuchttiere werden leider oft nicht mehr hinsichtlich ihrer Robustheit und Gesundheit, sondern nur noch nach der Farbe oder dem Zufallsprinzip ausgewählt.
Vor allem sind wir auch für die menschliche Nase keine Zumutung, weil wir fast keinen Eigengeruch haben. Der Geruch von Männchen ist etwas intensiver als der von Weibchen, aber auch nicht unangenehm.
Der 'kleine Unterschied' ist bei uns relativ gut zu erkennen. Bei männlichen Tieren ist der Abstand zwischen After und Geschlechtsöffnung deutlich größer als bei weiblichen Rennmäusen. Diesen Unterschied kann man schon sehr gut bei Tieren ab 5 Wochen (also allemal rechtzeitig vor Eintritt der Geschlechtsreife!) bestimmen. Bei ausgewachsenen Tieren ist es noch einfacher, weil die Böcke deutlich sichtbare Hoden haben. Bei Weibchen sind bei genauem hinsehen die Zitzen zu sehen. Zum Vergleich hier die Fotos
Zur Sicherung unseres Reviers machen wir auch regelmäßige Kontrollgänge in unserem Gehege, bei denen immer mal wieder eine neue Duftspur gelegt wird. Eine weitere der typischen Rennmaus Verhaltensweisen ist buddeln/graben. In freier Natur dient uns diese Verhaltensweise zum Anlegen unserer ausgedehnten unterirdischen Baue und Gänge. Aus diesem Grund muss auch immer ausreichend (mindestens 25cm) Einstreu in unserem Gehege sein. Besonders gerne nagen/knabbern wir auch um unsere nachwachsenden Nagezähne abzuwetzen. In Windeseile werden Nistmaterial, Klorollen und Einrichtungsgegenstände zerkleinert. Das zerkleinerte Material wird beim gemeinsamen Nestbau zu kunstvollen Gebilden verbaut. Speziell nach der Reinigung des Geheges kann man das ganze Team beim Nestbau beobachten. Eine sehr typische Rennmaus Verhaltensweise ist das kuscheln mit unseren Artgenossen. Die soziale Interaktion die hier stattfindet, ist ausgesprochen wichtig für uns. Deshalb dürfen wir Rennmäuse auch niemals alleine gehalten werden! Kuschelzeit Wir sind super neugierige Tiere und lieben es daher unser Revier und unsere Umgebung zu beobachten. Mit aufgerichteten Öhrchen und Männchen machend stehen wir im Käfig und blicken ganz aufmerksam umher.
Mit unseren Artgenossen kommunizieren wir zum größten Teil im Ultraschallbereich. Ansonsten haben wir keine sehr ausgeprägte, für den Menschen hörbare, Lautsprache wie zum Beispiel Meerschweinchen. Lediglich ein fiepen, dass auch mal lauter sein kann, ist für den Menschen zu hören. Mitglieder unserer Familie erkennen wir am Geruch. Treffen wir uns in unserem Revier, beschnuppern wir uns freundlich. Haben wir Angst vor einer Situation oder ist sie uns unangenehm, kann es sein, dass wir mit den Zähnen knuspeln. Erschrecken wir oder riechen wir eine fremde Rennmaus wedeln wir ganz hektisch mit dem Schwanz hin und her und treten von einem Hinterbein auf das andere. Ein weiteres Signal für Erschrecken ist, das wir mit unseren sehr kräftigen Hinterbeinen trommeln/klopfen. Hören die anderen das Trommeln ist es ein Zeichen um in den sicheren Bau zu flüchten. Dieses Trommeln ist aber auch Bestandteil unseres Paarungsrituals. Manchmal kann man uns aber auch fiepen hören - hört sich an wie Vogelgezwitscher. Schnell lernst Du zu unterscheiden, ob wir uns mit einem Artgenossen streiten oder ob es sich um wohliges Gefiepe handelt, wenn wir uns gegenseitig putzen.
Streit/Aggression Leider gibt es auch bei nur 2 Rennmäusen das Phänomen, das nach
Monaten des friedlichen Zusammenlebens, ein kleiner Streit - der mehr als nur
Rangfolge Diskussion bedeutet - ausbrechen kann. Bitte verfall nicht gleich in
Panik sondern schau genau hin, wie der Streit verläuft. Du darfst auch niemals
vergessen, dass Du mit der Haltung von 2 gleichgeschlechtlichen Tieren zwar
einen Teil des Deals erfüllst (nicht zu viele in einem Nest!) aber eben nur
einen Teil. In der Natur bestehen unsere Nestgemeinschaften in der Regel aus
einem fortpflanzungsfähigen Paar und oft bereitet es uns in der Heimtierhaltung
eben Probleme gleichgeschlechtlich leben zu müssen und unseren sehr starken
Fortpflanzungstrieb nicht ausleben zu können. Zur gleichgeschlechtlichen
Haltung gibt es aber nur die Alternative der Kastration des Bockes (sehr teuer
und nicht ungefährlich), wenn Du nicht zum unverantwortlichen Vermehrer
mutieren willst. Im Falle einer ernsthaften Auseinandersetzung (blutige Beißerei - ineinander verkeilte Tiere) müssen wir sofort getrennt werden – aber bitte nicht mit bloßen Händen! Bewährt hat sich bei solchen Streitigkeiten die vorübergehende Unterbringung in einem Trenngitterkäfig. Ganz wichtig ist, dass Du in so einem Fall die Regel einer Neuvergesellschaftung einhältst! Ob sich die Streithähne jemals wieder verstehen werden kann nicht garantiert werden und hier solltest Du auch keinerlei Experimente unternehmen. Ein ängstliches fiepen, dass auch oft mit einer Abwehrhaltung einer Rennmaus einhergeht, ist ein Alarmzeichen und sollte sehr Ernst genommen werden. Nicht immer werden ernsthafte Streitigkeiten zwischen uns mit Kampf ausgetragen. Manchmal wird eine Rennmaus von einer anderen auch nur in eine Ecke gedrängt und dieses fiepen, dass man dann zu hören bekommst, ist nackte Angst. Solche Tiere müssen nun bitte ganz genau beobachtet werden, denn schnell kann sich diese Art der Aggression in eine wilde Beißerei ausweiten, die nicht selten mit dem Tot der beiden Streithähne endet. Solche Kämpfe haben nichts mehr mit unseren üblichen Rangeleien bei der Bestimmung der Rangfolge zu tun. Auch hier kann eine vorübergehende Unterbringung im Trenngitterkäfig für Abkühlung sorgen. Manchmal streiten wir uns aber auch nur um bestimmte Gegenstände
(Laufräder z.B.) oder um einen Teil des Territoriums innerhalb unseres Geheges.
Oft reicht es dann schon die Gegenstände für eine Weile zu entfernen oder das
Gehege vorübergehend zu verkleinern. Die Rangfolge (Hierachie) in der Gruppe bestimmen wird meist dadurch, dass eine Rennmaus die andere besteigt, durch den Käfig jagt, sie beboxt oder schon mal zwickt. Ist es zu einer leichten Verletzung gekommen, dann beobachte das gebissene Tier ganz genau und bring es Notfalls zum Tierarzt. Meist verheilen solche kleinen Wunden aber ganz von selbst. Dieses Kräftemessen liegt einfach in unserer Natur, kann unsere Besitzer aber doch sehr erschrecken. Bei reinen Weibchengruppen kann man auch immer mal wieder das klassische Paarungsritual beobachten. Eine Rennmaus besteigt die Andere, trommeln, Genitalien säubern, etc. Das ist nicht bedenklich - wenn Du sicher bist, dass es 2 Weibchen sind - und kommt öfter vor. Bei Böckchengruppen ist dieses Verhalten nicht sehr oft zu beobachten. |