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aus aktuellem Anlass ist es leider wichtiger denn je

Text von unserem Zweibein

Warum soll man einen großen Bogen um schlechte Zoogeschäfte machen und wie erkennt man sie überhaupt?

Hier ein paar Stichpunkte, was mich an den meisten Zoogeschäften stört:

  • Zu kleine Käfige, zu viele Tiere in einem Käfig
  • Oft werden übrig gebliebene Tiere, die keine Einzelgänger sind, einzeln gehalten
  • Meist werden die Tiere nicht nach Geschlechtern getrennt
  • Geschwisterverpaarung / Inzucht
  • Die Auswahl von geeigneten Zuchttieren bedarf Erfahrung die nicht gegeben ist
  • unzureichende Ernährung und Beschäftigung
  • mangelnde Hygiene
  • keine separate Unterbringung - die Käfige stehen meist Mitten im Geschäft, was vor allem für nachtaktive Tiere eine Zumutung ist
  • offene Haltung, vor allem bei Kaninchen führt dazu, dass sie öfter betatscht werden
  • inkompetente Verkäufe und damit keine korrekte Beratung
  • Verkauf von tierschutzwidrigem Zubehör – welcher das ist, sehen Sie hier (Link zum TVT Merkblatt)

 

Leider werden in den meisten Zoogeschäften die Kleintiere nur wie billige Ramschware gehalten und behandelt. Fragen Sie sich mal, ob es möglich ist ein Tier artgerecht aufzuziehen, wenn es am Ende für nur 10 Euro verschleudert wird und das Geschäft auch noch Gewinn machen möchte. Wie soll das gehen? Viele Zoogeschäfte nehmen eine mangelhafte Haltung der Tiere leider in Kauf. Nicht selten kommt es, bedingt durch diese Haltung zu Todesfällen, weil die Tiere zu wenig Platz haben oder zu viele (sehr schlimm bei Einzelgängern) zusammengepfercht sitzen. Die dadurch entstehende Aggression endet oft in wilden Rauferein und nicht nur einmal wurde mir berichtet, dass die ‚Toten’ dann eben einfach entsorgt werden.

Wer oft in Kleintierforen unterwegs ist, der hat sicherlich schon zigmal darüber gelesen, dass jemand ein krankes Tier (sehr oft Durchfall oder Bisswunden) aus dem Zooladen mit Nachhause gebracht hat. Wie kann das sein? Ein kompetentes Fachpersonal muss doch erkennen, dass die Tiere krank sind und den Veterinär hinzuziehen. Meine Erklärung dazu ist, dass den meisten Geschäften diese Tiere einfach nichts ‚Wert’ sind. 

Neulich hat mir jemand geschrieben, ich solle mich nicht so haben, denn die Tiere wären so kurz in den Zooläden, dass das ja alles, was ich bemängle, nichts ausmacht. Wenn die Tiere den Zooladen überleben und Schluss endlich verkauft werden und vielleicht nicht krank sind, wundern sich die neuen Besitzer eventuell über die ein oder andere Macke, die ihr Tier hat. So weiß man z.B. durch Forschung, dass Rennmäuse, die in einem tief eingestreuten Gehege aufgewachsen sind keine stereotypen Verhaltensweisen wie Eckenscharren entwickeln, selbst dann nicht, wenn ihr zukünftiges Gehege zu klein ist. Es wäre sehr wichtig, die Kleintiere nicht in diesen ‚typischen’ Käfigen zu halten sondern für jede Tierart individuelle Gehege anzubieten. So brauchen eben die Rennmäuse ein sehr tief eingestreutes Gehege und Farbmäuse sehr viele Klettermöglichkeiten, usw.

Nicht zu vergessen, dass sich in Zooläden keiner Zeit nimmt (auch nicht hat) sich mit den Tieren ausreichend zu beschäftigen um sie so früh wie möglich an den Menschen zu gewöhnen. Es ist einfach wichtig, dass diese Tiere von Anfang an gute Erfahrungen mit Menschen machen.

Kleintiere aus dem Zoogeschäft sind auch leider meist Inzucht durch die Zooläden selbst oder von Massenzüchtern zugekauft. Oft passiert es auch, dass Weibchen mit dem Hinweis verkauft werden, die Babys könnten dem Laden zurückgebracht werden falls das Weibchen trächtig ist, was ich persönlich für eine Sauerei halte. Dabei ist es auch bei Kleintieren sehr wichtig, auf die Auswahl geeigneter Zuchttiere zu achten und dafür zu sorgen, dass die Weibchen nicht zu Gebärmaschinen verkommen.  Es ist vorprogrammiert, dass Tiere bei deren 'Vermehrung’ nicht auf gesunde Elterntiere geachtet wurde die und/oder aus der x-ten Geschwisterverpaarung stammen, nicht sehr widerstandsfähig und gesund sind.

Schlimm ist auch oft die Beratung durch das so genannte Fachpersonal. So haben die meisten Verkäufer nicht den Hauch einer Ahnung wie die Vielzahl von Kleintieren die sie in ihrem Sortiment haben artgerecht untergebracht und ernährt werden müssen. Es ist ja auch sehr praktisch der Familie für ihr Kind den Hamster gleich samt passendem Hamsterknast und viel zu kleinem Laufrad anzudrehen.

Geben sie sich beim nächsten Mal einen Ruck und unterstützen sie keine Zoogeschäfte mehr die sich nicht an die Regeln halten. Bitte kaufen Sie auch keine Tiere aus Mitleid. Sie helfen damit nur dem Geschäft Geld zu verdienen und bestärken es in seinem Tun. Melden Sie das Geschäft lieber dem Veterinärsamt Ihrer Stadt. Die Telefonnummer finden Sie im Internet oder der Tierschutz kann sie Ihnen geben. Über die Mindestanforderung an Zoogeschäfte gibt es von der Tierärztlichen Vereinigung einen Leitfaden ‚TVT Merkblatt zur Kleinsäugerhaltung im Zoofachhandel'. Ganz glücklich bin ich auch mit dieser Liste nicht, aber es ist immerhin ein Anfang. Versetzten sie sich einfach in die Tiere und wenn sie das Gefühl haben, hier möchte ich nicht leben müssen, verlassen sie das Geschäft wieder.

Als Ausnahme gelten natürlich immer die Zoogeschäfte, die Ihre Tiere argerecht halten und denen auch etwas an den Tieren liegt. Sollten Sie so ein Geschäft kennen, dann dürfen Sie uns das gerne schreiben - würde uns positiv überraschen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass dies meist die kleineren, privat geführten Geschäfte sind. Bei den großen Geschäften und noch schlimmer den Bau- oder Gartenmärkten mit Zooabteilung ist Hopfen und Malz verloren.

 

Diese Email erreichte mich im November 2007 und dort wird ja wohl alles gesagt...

Ich habe gerade Ihren Beitrag zum Thema Zoofachhandel auf Ihrer Homepage gelesen.

Was Sie dort geschrieben haben stimme ich vollkommen zu. Ich arbeite als Führungskraft im Zoofachhandel. Wobei ich zur Zeit versuche meinen Ausstand aus dieser tierverachtenden Branche zu nehmen. Was leider durch meine Fachspezialisation recht kompliziert wird in eine andere Branche zu kommen.

In Ihrem Bericht kritisieren Sie die Haltung und die Preispolitik bei den Tieren! Womit Sie auch vollkommen Recht haben.

Ich sehe das Problem aber auch bei den Produktherstellern und bei den Kunden.

Die Hersteller halten Sie nicht an geforderte Maße oder reagieren auf Wünsche ihrer Abnehmer. Sie finden keinen Käfig, Gehege oder ähnliches was nur im geringsten den Ansprüchen der Tiere gerecht werden kann. Einige Ausnahmen sind Randproduzenten wie z. b. die Fa. Rodipet.

Wenn ich die Großhandelslisten blicke und die Käfige etc. begutachte kommt mir das Schaudern was die Maße und die Ausstattung betrifft. Ich habe oft schriftlich den Herstellern/Lieferanten geschildert. Aber ich bekam immer die gleiche Antwort:

"Wegen Ihnen stellen wir unsere Produktion nicht um. Und ausserdem werden die Waren gekauft also warum sollen wir was ändern."

Irgendwann habe ich in dieser Hinsicht resigniert und bin dazu übergegangen den Kunden zu vermitteln eigene Gehege zu bauen zum Wohle ihrer Tiere.
Das hat bei 90 % der Kunden nichts gebracht. Die Antworten waren immer das gleiche.

- Wir haben nicht soviel Platz
- So ein kleines Tier braucht doch nicht so viel Platz
- Das ist doch nur ne Maus da reicht ein kleiner Käfig

Aufklärung zum Thema, Gruppenhaltung, Inzuchtvermeidung etc. braucht man sich nicht einzulassen das bringt nichts.

Tiere werden als Ware angesehen die einen Zweck erfüllen müssen.

Wüstenrennmäuse werden an 5-jährige Kinder verkauft, gehen in Einzelhaltung etc. pp.

Das ist der Alltag. Und wenn das Tier dem Kunden überdrüssig geworden ist, wird es bei uns abgegeben und der Kunde will sein Geld zurück. Im schlimmsten Fall wird es ausgesetzt oder getötet.

Ich pflege selber keine Nagetiere, ich bin in der Fraktion der Schlangenhalter zu finden und ob Sie es mir glauben oder nicht, es ist genau die gleiche Problematik wie bei den Nagetieren sogar dahin gehend noch schlimmer, da Reptilien erhöhte Haltungsparameter verlangen was Licht, Wärme, Klima etc. betrifft.

Die Kunden informieren sich fast ausschließlich beim Händler. Es wird nicht im Internet nach Informationen gesucht oder in Foren nachgelesen.

Und ich halte Foren und private Homepages von ambitionierten Halter für noch besser als manche Bücher.

Zumal der Halter nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet ist, sich das nötige Wissen und Umgang mit der von ihm gehaltenen Tierart zu verschaffen.

Und glauben Sie mir eins es gibt keinen guten Zoofachhändler!

Das sind alles schlechte Menschen... Und ich kenne viele andere Händler, da ist kein guter dabei. Hinter den Kulissen sind das alle Verbrecher und Tiermörder...

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